Politfix-Netzwerk | Fotografische Begleitung im niedersächsischen Landtag Hannover
- Janosch Parsiegla

- 3. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Am Freitag, den 26. September 2025, fand im Niedersächsischen Landtag in Hannover die Auftaktveranstaltung zur Gründung des regionalen POLITFIX-Netzwerks Hannover des Bundesverbands Interkultureller Frauen in Deutschland e.V. (BIFeV) statt. Rund 100 Personen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Medien nahmen teil, darunter auch Vertreter*innen aus Parteien, Parteijugenden, Polizei, Ministerien und lokalen Initiativen. Die Veranstaltung widmete sich der gezielten Förderung der politischen Teilhabe von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte auf kommunaler- und Landesebene.
Ziel des Netzwerks ist es, Frauen mit Zuwanderungsgeschichte gezielt in ihrer politischen Teilhabe zu stärken, sie für Mandate zu ermutigen und ihnen eine nachhaltige Vernetzung über Parteigrenzen hinweg zu ermöglichen. Es werden geschützte Räume und Plattformen geschaffen, um Frauen mit Zuwanderungsgeschichte beim Einstieg und Aufstieg in der Politik gezielt zu unterstützen und vor Anfeindungen zu schützen. Neben politischer Bildung und Empowerment-Workshops werden regelmäßige Netzwerktreffen und Austauschformate im Mittelpunkt stehen, in deren Rahmen politisch interessierte Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in Kontakt mit erfahrenen Amts- und Mandatsträgerinnen treten und sich vernetzen können.
Der Niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies betonte:
„Das POLITFIX-Netzwerk setzt ein starkes Zeichen für mehr Teilhabe, Vielfalt und Demokratie in Niedersachsen. Frauen mit Zuwanderungsgeschichte bringen wertvolle Perspektiven und Erfahrungen in unsere Gesellschaft ein – gerade in der Politik brauchen wir ihre Stimmen und ihr Engagement. Die gezielte Förderung, Vernetzung und der Schutz vor Anfeindungen, die das Netzwerk bietet, sind entscheidende Schritte, um Chancengleichheit und eine lebendige Demokratie zu stärken. Mein Dank gilt allen, die sich mit so viel Leidenschaft und Mut für dieses Ziel einsetzen.“
Auch Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay unterstrich:
„Frauen mit Zuwanderungsgeschichte sind unterrepräsentiert in unseren Parlamenten. Ich unterstütze das Netzwerk POLITFIX, denn es geht diese Herausforderung parteiübergreifend an. Unsere Demokratie braucht dieses Empowerment, die Vernetzung und die politische Teilhabe aller.“
Inhaltlicher Höhepunkt der Veranstaltung war die Präsentation der Ergebnisse der DeZIM-Begleitstudie zum POLITFIX-Netzwerk Niedersachsen durch Lea Baro, Mitautorin der Studie am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Die Studie beleuchtet Erfahrungen und Strategien von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte im politischen Ein- und Aufstieg und gibt wertvolle Handlungsempfehlungen an die Parteien. Sie zeigt deutlich strukturelle und kulturelle Hürden für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte auf, darunter die Überschneidung der Merkmale als Frau und Migrantin, Stereotypisierungen, Kompetenzabsprechungen sowie sexistische und rassistische Anfeindungen. Die ehrenamtliche Bereitschaft von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte, sich politisch zu engagieren, sinkt erheblich, wenn sie strukturellen Hemmnissen gegenüberstehen – etwa familienunfreundlichen Rahmenbedingungen, unflexiblen Sitzungszeiten und -terminen, männlich dominierten politischen Netzwerken oder fehlenden Ressourcen wie Einkommen –, insbesondere aber bei sexistischer Beschimpfung und rassistischer Bedrohung.
Die Zahlen, die während der Veranstaltung genannt wurden, verdeutlichen den Handlungsbedarf: In Deutschland gibt es derzeit keine Oberbürgermeisterin mit Zuwanderungsgeschichte, und im Niedersächsischen Landtag sind nur 34,25% der Abgeordneten Frauen und lediglich 5,8% Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, während die Bevölkerung zu 50,6% aus Frauen und zu 25,1% aus Menschen mit Zuwanderungsgeschichte besteht. Als zentrale Handlungsempfehlungen, die Missständen in der politischen Repräsentanz von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte entgegenwirken sollen, nennt die Studie die Netzwerkbildung, Empowerment- und Mentoringprogramme sowie strukturelle Anpassungen innerhalb der Parteien: Maßnahmen, die das POLITFIX-Netzwerk erfolgreich umsetzt.
Im Anschluss diskutierten auf dem Podium Martina Machulla, MdL (CDU), Ana Reimann (FDP), Victoria Schwertmann (BÜNDNIS 90/Die Grünen) und Merlindona Shabani (SPD) über die Strategien der Parteien zum Ein- und Aufstieg von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte. Trotz variierender Schwerpunkte und Maßnahmen wie etwa die Einführung bzw. dem Ausbau interner Quoten bestand parteiübergreifend Einigkeit darüber, dass Frauen mit Zuwanderungsgeschichte aktiv in die Politik eingebunden werden müssen, um eine repräsentative Demokratie zu gewährleisten – insbesondere im Hinblick auf die kommenden Kommunalwahlen 2026 in Niedersachsen. Die Podiumsteilnehmerinnen erklärten sich bereit, als Ansprechpartnerinnen im regionalen POLITFIX-Netzwerk Hannover mitzuwirken, womit der Grundstein für eine nachhaltige politische, parteiübergreifende Zusammenarbeit gelegt wurde.
Die Geschäftsführerin des BIFeV, Galina Ortmann, fasste die Ergebnisse der Veranstaltung wie folgt zusammen:
„Mit der Gründung des POLITFIX-Netzwerks in Hannover schaffen wir eine demokratische, parteiübergreifende Allianz, die Frauen mit Zuwanderungsgeschichte sichtbarer macht, ihnen Räume zur Mitgestaltung eröffnet und so unsere Demokratie nachhaltig stärkt.“
Die Veranstaltung im Niedersächsischen Landtag markierte den Auftakt für ein breites Netzwerk in Stadt und Region Hannover, welches Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in Politik und Gesellschaft sichtbarer machen wird.




















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